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Festpredigt

                             







Professor Dr. Heribert Niederschlag

Doppeljubiläum von Uli Stahl 40 Jahre Priester – 20 Jahre Pastor in Dortmund


1973: Vor 40 Jahren die Priesterweihe. Es war eine dramatische Zeit! Erst im Nachhinein haben wir erfahren, was sich in den Jahren davor – ich spreche von der Zeit zwischen 1968 – 1973 – ereignet hat. Soziologen sprechen von diesen Jahren als von einer „stillen Revolution“, die die Geisteslandschaft in unserer Breiten wie in einem Erdbeben oder wie in einem Vulkanausbruch umwälzt und verändert. Umfragen aus dem Jahr 1968 und 1973 machen es deutlich:

- In Sachen Sexualität und Ehe zeigten die Antworten 1973 ein völlig verändertes Bild, ganz anders als noch als 1968;

die Kirchenbindung lockert sich, der Kirchenbesuch lässt nach, das Schuldbewusstsein scheint zu verfliegen, die Beichtstühle werden nicht mehr aufgesucht. Man wendet sich ab von der Elterngeneration und auch von der Kirche. Hinzu kommen Skandale, die die Kirche von innen her erschüttern. Bis heute hält der Trend an: Die ältere Generation ist gläubig, die mittlere kritisch, die Kinder spielen lieber mit dem Handy oder mit dem Computer.

Aber all das hat Uli Stahl nicht daran gehindert, treu zu dieser Kirche zu stehen. Er denkt ähnlich, wie Erasmus von Rotterdam, der große Humanist aus dem 16. Jahrhundert, gedacht hat. Erasmus von Rotterdam sagte zu Luther, der ihn getadelt hatte, trotz der Korruption in der katholischen Kirche bleiben zu wollen: „Ich ertrage diese Kirche in der Hoffnung, dass sie besser wird, da auch sie gezwungen ist, mich in der Erwartung zu ertragen, dass ich besser werde.“

Die zwei chinesischen Schriftzeichen für „Krise“ bedeuten einmal „Gefahr“, zum anderen „Chance“. In jeder noch so schlimmen Krise verbirgt sich eine Chance: Wir müssen uns selbst Rechenschaft ablegen, was eigentlich der Sinn unseres Lebens ist, der Sinn des Glaubens, der Kirche, der Priester. Kritische Zeiten halten uns ab, uns in Diskussion über unwesentliche Themen zu verheddern. Wir müssen uns auf die Mitte, auf das Wesentliche konzentrieren.

Für mich ist das, worum es uns Priestern, worum es uns Christen gehen sollte, in einer uralten jüdischen Legende geradezu wunderbar zum Ausdruck gebracht. findet Diese Legende findet sich in einem Kommentarwerk zum AT:„Als Gott-Vater am 6. Schöpfungstag noch einmal überlegte, ob er den Menschen schaffen solle, waren seine drei liebsten Töchter bei ihm: die Weisheit, die Gerechtigkeit und die barmherzige Liebe.


Die Weisheit sagte: Schaffe den Menschen nicht. Er wird dir nicht folgen. Die Menschen werden sich selbst zum Narren machen. Dafür ist deine Schöpfung zu gut. Gib sie dem Wahnsinn der Menschen nicht preis.

Und Gott schwieg.

Auch die Gerechtigkeit sagte: Vater, schaffe den Menschen nicht. Er wird deine Gerechtigkeit verwerfen. Einer wird den anderen verleumden; einer den anderen hassen und töten. Die Menschen werden sich nicht um Gerechtigkeit kümmern. In ihrer Ungerechtigkeit werden sie Angst, Hass und die Hölle aus dieser Welt machen.

Und Gott schwieg.

Als dritte trat die barmherzige Liebe vor. Sie sagte: Was meine Schwestern gesagt haben, trifft zu. Aber, Vater, schaffe den Menschen doch! Schenke ihm als einzige Kreatur Freiheit und Liebe. Zwar ist die Freiheit missbrauchbar; und die Liebe ist verletzlich. Aber sie beide machen die Würde des Menschen aus. Ich will bei den Menschen weilen und sie Freiheit und Liebe lehren. Ich will sie lieben, so wie sie sind. Denn die Liebe wird die Krone deiner Schöpfung sein. Ich gehe zu den Menschen, und wenn es mich das Leben kostet.

Da nahm Gott-Vater diese seine Tochter in die Arme und küsste sie. Und dann schuf er den Menschen.“ So weit die Legende!


Jesus ist in der „barmherzigen Liebe“ Mensch geworden und Er hat mit ganzer Leidenschaft die Menschen wieder die Liebe lehren wollen, wie Gott sie meint.

Am Beginn des Lebens: Geburt in einem Stall draußen vor den Toren Bethlehems, - zwischen Ochs und Esel, also dort, wo viel Mist gemacht wird: Gerade da können wir Gott finden und begegnen.

In seinen Wundern bringt er zum Ausdruck: So will dich Gott, äußerlich und innerlich gesund und heil; in seinen Predigten erzählt er starke Geschichten, die einem Frommen den Atem verschlagen können. Geschichte vom barmherzigen Vater und dem verlorenen Sohn. Dass Gott liebt, wussten die Schriftgelehrten und Pharisäer aus den Schriften des AT, dass er aber so liebt, das lehnten sie rundweg ab. Sie verdächtigen ihn, dass er das Gottesbild verzerrt und die Religion verdirbt. Dieser Mann muss weg!

• Am Ende des Lebens: Er hängt zwischen Verbrechern, draußen vor den Toren Jerusalems. Er betet für die, die ihn kreuzigen!

• Am Morgen der Auferstehung: Sein erstes Wort ist: „Friede“.

Diese Liebe muss in Erinnerung bleiben, muss durch die Jahrhunderte hindurch allen Generationen gepredigt und auch gelebt werden. Das ist die Hauptaufgabe des Priesters. An seinem wie an seinem Lebensstil soll wenigstens erahnt werden, was Jesus damals in diese Welt gebracht hat: das unbändige Vertrauen: Gott ist uns unendlich gut! Wir können uns Ihm ganz anvertrauen. Er will, dass Seine Liebe durch uns hindurch die Menschen erreicht, mit denen wir es zu tun haben. Von daher ergeben sich für den Priester vor allem

drei wesentliche Aufgaben:

Die Aufgabe zu versöhnen. Werner Bergengruen, Die Sultansrose (Basel 1952): Kaiser Karl V. gerät auf einem Zug durch Frankreich


Die Herzogin setzt sich für Karl ein und rettet ihn so. Darüber verliert sie die Gunst ihres Königs. Als sie schließlich vor ihm mit einem Schrei zusammenbricht, hebt  der Bursche des Königs, ein blatternnarbiger Mohr, sie auf. Der König sagt ihm: „Es ist nicht unser Gebrauch, vom Aufheben-den zurückzunehmen, was einmal auf  der Erde gelegen ist. Behalte sie zur Erinnerung.“


Die Herzogin flieht entsetzt. Sie stürzt in die Kirche St. Pierre in Avon. Da wirft sie sich in ihrer Not vor dem Priester nieder: „Machen Sie mit mir, was Sie wollen.“ Der Priester sagt zu ihr: „Ich habe aufzuheben, was am Boden liegt. Ich führe es meinem Herrn zu, und er nimmt es wieder an als sein Eigentum.“

Die Aufgabe, dem Ganzen, der Gemeinschaft, der Gemeinde zu Diensten zu sein. Uli, Du bist in Deiner Jugend einer der besten Fußballer im Wendschen gewesen. Du weißt, dass Erfolge nur mit anderen möglich sind. Nur wenn der Geist der Mannschaft auf das Zusammenspiel ausgerichtet bleibt, können die Pässe gelingen und die Stärken der Sportskameraden ins Spiel heraus gelockt werden. Nur so können wir auf Erfolg hoffen. Ähnlich ist es mit einer Gemeinde. Auch hier sind großartige Begabungen ins Gemeindespiel zu entdecken und einander so zuzuordnen, dass sie sich ergänzen und wechselseitig verstärken. All das verlangt, was unseren derzeitigen Papst auszeichnet und was zu predigen er nicht müde wird: dass wir Priester „zu Diensten“ sind, andern nicht den Kopf waschen, sondern die Füße, nicht wie Pfarr-Herren auftreten - diese Zeiten sind ohnehin ist vorbei -, sondern wie Brüder, die mit anderen auf  dem Weg sind. Paulus mahnt uns in einem seiner Briefe an die Korinther: Seid nicht Herren Eurer Gemeinden, sondern Diener der Freude.

Nach wie vor kenne ich kein schöneres Motto als das des begnadeten Jugendseelsorgers Don Bosco, der einmal gefragt wurde, was denn das Wichtigste im Leben sei. Er antwortet spontan:

„Gutes tun, fröhlich sein und die Spatzen pfeifen lassen!“

Unser Papst Franziskus weist uns in sympathischer und glaubwürdiger Weise in die gleiche Richtung. Die Kirche wird nicht untergehen. Mich begleitet schon seit längerem die großartige Vision des Don Bosco von den Anfeindungen der Kirche. Was sie rettet, ist der Blick auf Maria und auf Jesus, der in den eucharistischen Gestalten uns stärkt.

Das ist wohl der schönste Dienst eines Priester, der in der Eucharistie Brot und Wein nimmt, „Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit“, sie in der Kraft des Hl. Geistes wandelt, das Brot bricht und an die Gemeinde austeilt, - eine Speise, die nicht wir verwandeln, sondern, die uns wandelt, - zu neuen und zu frohen Menschen.


Überall hast, Du Uli, auf deine Dir eigene typische, nicht so leicht nachzuahmende Weise versucht, die Menschenfreundlichkeit Christi zu zeigen und auszustrahlen.

Was uns Priester in besonderer Weise auszeichnen soll, ist die Freundschaft, die Freundschaft mit Gott und die Freundschaft miteinander! Freundschaft braucht Zeit. Freundschaft schenkt auch Mut, gerade dann wenn wir überfordert scheinen, uns dem anzuvertrauen, der uns gerufen hat. Johannes XXIII: „E la chiesa tua, non la mia. Io sono stanco e vado a letto. Buona notte!“ Oder wie jener sauerländische Pfarrer, der den ganzen Tag von morgens bis abends nicht zum Breviergebet gekommen ist, am Abend sein Brevier aufschlägt, hoch hält und nur sagt: „Lieber Gott, heute gebe ich es Dir schriftlich!“

Diese Freundschaft ebnet den Weg zu jene Lebenskunst, die die jüdische Weisheit für den Gipfel gelungenen Lebens hält: die heitere Gelassenheit.

Lieber Uli, im Namen aller hier Mitfeiernden, im Namen Jesu Christi möchte ich Dir nur ein Wort sagen, das allerdings in tiefer Bewegung: Danke!

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in höchste Gefahr. Da lässt er vor der Geliebten des französischen Königs seinen Ring, die Sultansrose, fallen. Sie hebt ihn auf. Karl belässt ihn ihr: „Es ist nicht kaiserlicher Brauch, vom Aufhebenden zurückzunehmen, was einmal auf der Erde gelegen ist. Behalten Sie ein Erinnerungsstück.Wer weiß, ob noch  einmal nach Orleans kommen.“

Die Herzogin setzt sich für Karl ein und rettet ihn so. Darüber verliert sie die Gunst ihres Königs. Als sie schließlich vor ihm mit einem Schrei zusammenbricht, hebt der Bursche des Königs, ein blatternnarbiger Mohr, sie auf. Der König sagt ihm: „Es ist nicht unser Gebrauch, vom Aufhebenden zurückzunehmen, was einmal auf der Erde gelegen ist. Behalte sie zur Erinnerung.“


3.

Die Aufgabe, das weiterzuerzählen, was Christus damals gepredigt und gelehrt hat, was er für die Menschen getan hat, wie er aufrichtende wirk-te und Hoffnung und Zuversicht vermittelte, - und das in besonderer Weise den Kleinen und Unscheinbaren, denen, die am Rande sind und nur über wenig Macht und Einfluss verfügen. Hier ist es besonders die Rede von einer Liebe, die bedingungslos liebt (vgl. das Gleichnis vom ver-lorenen Sohn und vom barmherzigen Vater). Diese Liebe ist stark wie der Tod, d.h. sie ist stärker. Sie verwandelt Tod in Leben und Schuld in Segen. Uns ist das „Wort des Lebens“ anvertraut. Wir müssen es in Worte um-setzen, die die Menschen ansprechen, innerlich treffen und begeistern.

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